Zwischen Arbeit und Liebe

Eine empirische Studie zum Wandel der Geschlechterbeziehungen in Ostdeutschland nach der Wende

Stolt, Susanne

kassel university press, ISBN: 978-3-933146-39-7, 2000, V, 285 Seiten

URN: urn:nbn:de:0002-391

Zugl.: Kassel, Univ., Diss. 2000

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Inhalt: Das Buch basiert auf einer empirischen Studie über den Wandel im Leben von ostdeutschen Frauen seit der Wende. Es handelt sich um Frauen, die in Partnerschaften leben und mindestens ein Kind haben, das bereits vor der Wende geboren wurde. Zwölf Frauen und drei Männer kommen zu Wort, mit denen zwischen Ende 1994 und Anfang 1996 ausführliche Interviews geführt wurden. Die Autorin macht mit ihren qualitativen Forschungsergebnissen deutlich, wie unterschiedlich die Problemlagen sich für Frauen und Männer im Umgang mit den sozialen Veränderungen gestaltet haben. Während die Frauen z.B. deutlich mehr Probleme hatten, eine lebbare Verbindung zwischen ihrem Berufs- und Privatleben herzustellen, erlebten die Männer Probleme dieser Art kaum. Sie delegierten die Sorge darum weiterhin an ihre Frauen. Aber nicht nur zwischen den Geschlechtern, auch zwischen den einzelnen Frauen wurden deutliche Unterschiede sichtbar.

Die Autorin differenziert deshalb zwischen drei Handlungstypen: dem autonomie-, bindungs- und balanceorientierten Handlungstypus. Bei den bindungsorientierten Frauen wurden vor allem Schwierigkeiten im Beruf sichtbar: Angesichts schwindender Erwerbsarbeitsmöglichkeiten nach der Wende waren sie gefordert, ihr geringes berufliches Engagement zu überdenken. Dabei wurden sie durch die traditionellen Muster, die in ihren Partnerschaften seit langem etabliert waren, behindert. Demgegenüber hatten die autonomieorientierten Frauen eher mit Problemen in der Privatsphäre zu kämpfen. Die staatliche Unterstützung für Mütter, die ihnen zu DDR-Zeiten die Verantwortung für Kinder erleichterte, wurde deutlich reduziert. Damit existierte die Basis ihrer Entscheidung für Kinder nicht mehr, was sie in Konflikt mit ihrer Mutterrolle brachte. Bei den balanceorientierten Frauen schließlich hing es vor allem von den konkreten Lebensumständen ab, auf welchem Feld es zu Problemen kam. Aber diese Frauen zeigten sich wesentlich flexibler im Umgang mit privaten oder beruflichen Schwierigkeiten als die Frauen der beiden anderen Handlungstypen. Sie hielten an ihrem Anspruch fest, sich sowohl im Beruf zu verwirklichen, als auch ein erfülltes Privatleben führen zu wollen. Und sie fanden Wege, sich zugleich beruflich zu etablieren und einen Ausgleich für die heute viel geringere Unterstützung des Staates für Eltern zu schaffen.

Der theoretische Rahmen, in welchem die Autorin ihre Ergebnisse interpretiert, ist die Theorie der Anerkennung. Danach ist Autonomie ohne Bindung nicht möglich. Jede Polarisierung zwischen beiden Seiten führt letztlich zur Herrschaft im Geschlechterverhältnis. Die DDR-Politik hat diesen Zusammenhang nicht berücksichtigt. Statt dessen hat sie einseitig die Berufsarbeit als Voraussetzung zur Emanzipation in den Mittelpunkt gerückt. Sozial marginalisiert wurde dabei nicht allein die private Reproduktionsarbeit, sondern ebenso das Bedürfnis der Menschen nach emotional befriedigenden Beziehungen und Bindungen. Diese Dominanz der Arbeit bewirkte, daß die Geschlechterhierarchie trotz aller Frauenförderung in der DDR nicht überwunden werden konnte. Bis in die einzelnen Interaktionen der Frauen und Männer hinein vollzieht die Autorin nach, wie sich die Dominanz der Arbeit in geschlechtshierarchischen Rollen- und Deutungsmustern niederschlug. Und es sind gerade diese bereits vorab existierenden Rollen- und Deutungsmuster, die auf der Handlungsebene einen relativ bruchlosen Übergang von einem System zum anderen möglich machten.

Die Brisanz des Buches besteht nicht zuletzt darin, daß es die Leserinnen und Leser auf einer alltäglichen Handlungsebene nachvollziehen läßt, warum eine allein auf Arbeit fixierte Frauenpolitik zum Scheitern verurteilt ist.

Die Publikation ist in folgenden Formen erhältlich:

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