Regelgeleitetes Verhalten

Zur soziologischen Relevanz des Spätwerks Wittgensteins

Petrasch, Christian

kassel university press, ISBN: 978-3-89958-461-5, 2008, 179 Pages

URN: urn:nbn:de:0002-4610

Zugl.: Kassel, Univ., Diss. 2008

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Content: Kausalanalysen sind unbestritten für einen Großteil soziologischer Untersuchungen von großem Nutzen. Jedoch kommt es häufig zu Konfusionen, wenn man Kausalanalysen durchführt, obwohl Sinnanalysen angebrachter wären. Letztgenannte sind Thema meiner Doktorarbeit, weshalb meine Ausgangsfrage folgendermaßen lautet: Ist es möglich, zentrale soziologische Grundlagenfragen zu beantworten, wenn man ausschließlich Sinnanalyse menschlichen Verhaltens betreibt? Oder anders ausgedrückt: Wie weit kommt man in der Soziologie, wenn man sich auf derartige Analysen beschränkt?

Die vielleicht wichtigste Grundlagenfrage der Soziologie lautet: „Was ist menschliches Handeln?“ Folglich ist für meine Dissertation der Versuch zentral, den soziologischen Handlungsbegriff philosophisch zu begründen. Handeln ist meinen Überlegungen zufolge gleichzusetzen mit dem Vollzug einer Regel-Anwendungs-Praxis. Ist man also in der Lage, eine Verhaltensweise erfolgreich in eine übliche Regel-Anwendungs-Praxis einzuordnen – hat man ein Verständnis darüber erlangt, womit die Akteure in bestimmten Situationen beschäftigt sind. Diese Argumentation baut in weiten Teilen auf Argumenten Ludwig Wittgensteins bezüglich des Terminus’ „einer Regel folgen“ auf.

In diesem Zusammenhang ist der Hinweis wichtig, dass Wittgenstein zwischen zwei Regel-Dimensionen unterscheidet. Auf der einen Seite haben wir den unreflektierten Vollzug einer herkömmlichen Verhaltenspraxis – auf der anderen Seite den sprachlichen Kommentar bzw. die Interpretation dieser Praxis. Menschliches Alltagshandeln zeichnet sich also dadurch aus, dass es meist unreflektiert vollzogen wird und daher keiner Deutung bedarf. Beabsichtigt man jedoch als Soziologe menschliches Handeln zu verstehen, ist man gezwungen, dieses zu interpretieren. Der Akt des Deutens ist demnach für eine Sozialwissenschaft wie der Soziologie wesentlicher Bestandteil.

Eine solche Art deutender Soziologie betreibe ich in meiner Arbeit, die es mir gestattet, Klarheit über zentrale soziologische Grundbegriffe wie „Handeln“, „soziales Handeln“, „soziale Beziehung“, „Zwang“ und „Macht“ zu erhalten. Der Ertrag meiner Dissertation beschränkt sich aber nicht auf die Explikation dieser Termini. Darüber hinaus mache ich deutlich, wie eine am Spätwerk Wittgensteins orientierte Sinnanalyse konkreten menschlichen Verhaltens auszusehen hat und wodurch sie sich von Kausalanalysen unterscheidet.

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