Die Willingshäuser Maler als Gruppe

Interpretation von Erwartungshaltungen prägnanter Rollenträger gegenüber Interaktionen in Gruppenprozessen

Demme, Roland

kassel university press, ISBN: 978-3-89958-436-3, 2008, 154 Seiten

URN: urn:nbn:de:0002-4362

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Inhalt: Die Künstler des 19. Jahrhunderts erfahren in ihrem Lebensumfeld Großstadt grundlegende gesellschaftliche Umbrüche. Innerhalb der weiter wachsenden Massengesellschaft sind die täglichen Lebensabläufe von zunehmender Beschleunigung bestimmt; diesen Auseinandersetzungen wollen sich die Maler entziehen. Deshalb verbringen sie die Sommer in der „Provinz"; dort vollziehen sich die Lebensabläufe überschaubar und langsam, in der Tradition verhaftend. Die ländliche Umgebung sowie deren in Tracht gekleidete Bewohner fordern die Kunstschaffenden heraus, sich mit Genre- und Landschaftsmalerei auseinanderzusetzen und nach erlernten oder eigenen Kriterien in Bildern festzuhalten.

In Willingshausen, einem Dorf in der Schwalm, gut 50 Kilometer südlich von Kassel, entdecken die Künstler einen Ort, der ihren Vorstellungen für zeitgemäße Malerei entspricht. Das Colorit von Dorf und Landschaft sowie die farbenfrohe Tracht der Bevölkerung ziehen die Maler verschiedener großstädtischer Kunstzentren an. Dazu gesellen sich Malklassen mit ihren Lehrern von mehreren Akademien. Im Ort entwickelt sich eine Form von Kunsttourismus.

In kunsthistorischen Betrachtungen zum Leben und Schaffen von Willingshäuser Malern ist stets von einem harmonischen Gleichklang unter den „Sommergästen“ die Rede. Doch spätestens als sich 1908 zwei Maler von der Gruppe trennen, um sich in einem nur rund 15 km entfernten Ort, Röllshausen, niederzulassen, um eine neue Malervereinigung zu gründen, wird deutlich, dass in der Willingshäuser „Kolonie“ kein spannungsfreier Zustand geherrscht haben konnte.

Der Vorgang wirft die Frage auf: Warum kann es in einer als harmonisch operierenden Gruppe zu einer Abspaltung kommen? Dieser Aspekt wurde in bisherigen Publikationen nicht ausreichend berücksichtigt. Versucht man die Vorgänge der Maler miteinander unter Entwicklungen bei gruppendynamischen Prozessen nachzuvollziehen, dann erscheint das Verhalten Einzelner verständlich. Von den Beteiligten vorgebrachte Argumente lassen sich mit sozialpsychologischer Bewertung erklären und durch Veränderungen in der Gruppenstruktur nachvollziehen.

Neben literarischen Quellen tragen Gruppenfotos und Karikaturen zur Deutung der Vorgänge bei. Die Untersuchung setzt sich mit der Rolle des Oberförsters Gottlob Hücker aus Willingshausen in der Künstlergruppe auseinander. Weiter sind an dem Prozess besonders die aus Düsseldorf anreisenden Maler Adolf Lins und Hugo Mühlig, der in der Schwalm geborene Maler Carl Bantzer und der aus Kassel stammende Wilhelm Thielmann beteiligt. Zu den in der Gruppe ablaufenden Vorgängen werden auch die Lebensläufe der Beteiligten mit einbezogen. Die Zeitepoche selbst wird mit gesellschaftspolitischen Vorgängen nachgezeichnet, bei denen die Maler direkt oder indirekt beteiligt sind.

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